| Beschreibung |
Das Seminar geht von einer einfachen, aber weitreichenden Diagnose aus: Politisches Handeln, Wahrnehmen und Urteilen findet nicht auf festem Grund statt – es ist situiert, kontingent, konflikthaft, medial vermittelt. Ausgangspunkt ist der in dem Buch "Bodenlos situiert" entwickelte Ansatz einer politischen Phänomenologie von Thomas Bedorf, der den Begriff der Situierung ins Zentrum rückt. Wir nehmen diesen Vorschlag ernst – und treiben ihn zugleich weiter, indem wir ihn systematisch mit neueren Entwicklungen in Medientheorie, Medienphilosophie und Medienökologie ins Gespräch bringen: Was verändert sich, wenn Situierung nicht nur sozial und historisch, sondern auch als mediale und materielle Bedingtheit begriffen wird? Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Ding- und Gegenstandskonzeptionen aus Hermeneutik, Phänomenologie und Kritischer Theorie. Dabei interessiert uns insbesondere ihre (teils überraschende) Nähe zu medienmaterialistischen Perspektiven: Dinge erscheinen dann weniger als stabile Fundamente oder „Böden”, sondern als Operationen des Bedingens – als Gefüge, die Zusammenhänge herstellen, Möglichkeiten eröffnen, Grenzen ziehen und Spielräume konfigurieren. In dieser Sicht sind Dinge nicht das, worauf man steht, sondern das, worin man sich bewegt: Konstellationen, durch die Orientierung, Handlungsfähigkeit und politische Artikulation überhaupt erst Gestalt annehmen.Das Seminar ist lektürezentriert. Wir arbeiten nah am Text, klären Begriffe und Argumentationsgänge Schritt für Schritt und bauen die Diskussion so auf, dass auch komplexe Passagen gemeinsam erschlossen werden können. Besonderer Wert wird auf Verständlichkeit und Didaktik gelegt: kurze Inputs, gemeinsame Lektüresequenzen, begriffliche „Werkzeuge” für die Sitzung – und ausreichend Zeit, um die theoretischen Perspektiven aufeinander zu beziehen und an Beispielen zu erproben. |