| Beschreibung |
In diesem Plenum befassen wir uns mit dem Film, dem Kochen und der Küche. Wir lesen dabei die Küche im Film so, wie wir auch ein Laboratorium, ein Fabrik, ein Atelier lesen würden (als Operationsraum, als Operationsbündel; als Dispositiv, diegetischer Raum, in ihrer Struktur, in ihrer Ästhetik, ihrer Ausstattung; in ihrem Personal) und, überblendet damit, die Aufstellung dieser Küche durch den Film (wo z.B. ist der Ort der Kamera? Wie viel und welche Zeit gibt der Film dem Kochen? Wie funktioniert der kulinarische Szenenumbruch?). So stoßen wir auf die Küche, die der Film selbst IST oder gar die, aus der er hervorgeht: denn der Film ist es, der kocht, wenn in Filmen gekocht wird. So erhalten wir doppelten Aufschluß über das Kochen und den Film. Zu diesem Zweck legen wir zunächst einen Untersuchungskorpus an, der eine zweckmäßige Anzahl relevanter Filme umfaßt; Filme, in denen in einer Küche gekocht wird und dieser Vorgang eines der Zentren der Darstellung bildet. Dann analysieren wir anhand dieses Korpus die Küche als Raum (relativ zu anderen Räumen z.B.) und in ihrem dispositionellen Aufbau und ihrer Ausstattung; wir untersuchen die Werkzeuge und die Zutaten des Kochens, wir betrachten die Gesten des Kochens und die Arbeitsabläufe sowie das Personal der Küche. Ziel ist es, eine Art Katalog der Objekte und Operationen des Kochens im Film sowie ihrer Kombinatorik oder Grammatik zu erstellen und so das Kultur- das Denk- und Funktionssystem der Küche des Films freizulegen. Dabei kann uns Claude Levy Strass‘ fundamentale Studie über „Das Rohe und das Gekochte”, die wir parallel zu den Filmuntersuchungen lesen und dabei aus ihrem ursprünglichen ethnologischen Zusammenhang herauslösen werden, als Anleitung dienen. Ergänzend können wir auch die Küche im Kino (Popcorn, Nachos, Schokoriegel) und die Küche der Kochsendung im Fernsehen betrachten. |