| Beschreibung |
Der Konsum von Essen, mitsamt seiner Symbolik und kulturellen Bedeutung, vom Geschmack über die Ordnung der Tafel bis hin zur Gastfreundschaft, ist buchstäblich in aller Munde. Und auch über die Produktion von Lebensmitteln, ihre Verteilung und Ökonomie ist in vielfältigster Weise akademisch nachgedacht worden. Von der Küche und den Kochpraktiken lässt sich Gleiches nicht sagen. Die Küchenphilosophie erscheint vielmehr als eine minioritäre Wissenschaft ohne akademische Weihen. Liegt es daran, dass die Küche und das Kochen, als Sphäre vermeintlich bloßer Reproduktionsarbeit, lange – zumindest jenseits der öffentlichen Bühne des Opfers und der Haute Cuisine – die klassische Domäne von Frauen war, in deren „Niederungen” hinter den Kulissen der Tafel sich kaum je die männlich geprägte Philosophie vorgewagt hat? Oder liegt es daran, dass sich in jeder möglichen Küchenphilosophie Alltagspraxis und Theorie unausweichlich vermischen, so dass sich die reine Vernunft notwendig die Hände schmutzig macht? Liegt es möglicherweise aber auch daran, dass ein Nachdenken über das Kochen, konstitutiv mit der Frage von Übergängen und Verwandlungen, Trennungen und Vermittlungen, Mischungen und prekären Zwischenzustände konfrontiert ist, die statt einem Denken in feststehenden und substanziellen Wahrheiten unweigerlich ein grundlegendes Denken des Medialen und im Medialen herausfordern? Ausgehend von diesen und ähnlichen Überlegungen wollen wir uns im Seminar nicht nur fragen, was eine Küchenphilosophie ausmachen und mit welchen Zutaten sie hantieren könnte, sondern uns vor allem eingehend mit dem Hantieren in der Küche selbst beschäftigen, um den kulinarischen Prozessen und Operationen, Zutaten und Gewürze, Rezepte und Gerätschaften auf die Spur zu kommen. |