Vor dem Hintergrund des Films 'Il tetto' betrachten wir in Turin, wie die Auswirkungen der großen Migrationsströmungen im Italien der Nachkriegszeit eine außergewöhnliche, sowohl politisch als auch gestalterisch motivierte Architektur hervorbrachten. Mit der Flucht vom Land in die Stadt und vom Süden in den Norden hat sich die Einwohnerzahl Turins in nur zwei Jahrzehnten fast verdoppelt. Trotz oder wegen dieser schwierigen Bedingungen und als Reaktion auf den Faschismus schufen Architekten wie Jaretti & Luzi oder Gabetti e Isola Gebäude von architektonischem Reichtum für ihre Bewohner. Insbesondere in Turin war das Dach dabei wichtiger Ausdrucksträger und zugleich bindendes Element von Gemeinschaften. Abseits vom ' 'Dächerstreit' oder dogmatischen Manifesten wurde in Turin das Dach als kontinuierliche Auseinandersetzung mit einer architektonischen Bauform weiterentwickelt und stets aufs Neue als Lebensraum interpretiert. Wir werden diese Bauten vor Ort erkunden, empirisch erfahren und zusammen mit dem Input von Gästen reflektieren, unter welchen Bedingungen sie damals entstanden sind und wie aktuell sie gerade im heutigen Diskurs für nachhaltigen Wohnraum sind. Wir werden diese ‚Dach-Gebäude‘ im Zusammenhang mit den besonderen Stadträumen Turin's erleben, verstehen und lesbar machen. Das Exkursions-Seminar wird als Kopplung mit dem Projektmodul ‚Il tetto‘ empfohlen, da verwandte Themen in verschiedenem Kontext und Maßstab untersucht werden und die daraus entstehenden Synergieeffekte produktiv eingebunden werden sollten. Im Nachgang der Exkursion macht eine zeichnerische Rückkopplung die Ergebnisse als Teil des Seminars sichtbar. |