| Beschreibung |
Dieses Projektmodul versteht das fotografische Porträt als einen forschungsbasierten Bildraum, in dem Identität nicht einfach dargestellt, sondern erzeugt, verschoben und neu verhandelt wird. Das Porträt erscheint hier nicht als stabile Repräsentation, sondern als fragile Konstruktion, als ein Gefüge aus Fragmenten, Wiederholungen, Überlagerungen und Überschreibungen. Es steht stets im Zusammenhang mit den technologischen, sozialen und ästhetischen Bedingungen seiner Zeit. Ausgehend von der Fotografie als zeitgenössischer Praxis werden analoge, digitale und KI-gestützte Verfahren miteinander verschränkt. Collage fungiert dabei nicht nur als Technik, sondern als epistemische Methode: Schneiden, Kopieren, Layern und Re-Kontextualisieren werden zu Denkbewegungen. Das Bild wird nicht als abgeschlossenes Ergebnis verstanden, sondern als offener Prozess, in dem Fragen nach Selbstbild, Fremdzuschreibung, Archiv und Körper sichtbar werden. Ein zentraler Bestandteil des Moduls ist die Arbeit in thematisch fokussierten Workshops, die sowohl vom Lehrteam als auch von Studierenden konzipiert und durchgeführt werden. In Zweierteams entwickeln die Studierenden eigene Workshopformate, die theoretische Referenzen mit praktischer Erprobung verbinden. Papiercollage, Copy Art, Dunkelkammerexperimente, digitale Bildbearbeitung und KI-basierte Bildproduktion werden als gleichwertige Verfahren erprobt. So entsteht ein kollektiver Denk- und Arbeitsraum, in dem transmediale Bildpraktiken nicht nur angewendet, sondern auch reflektiert werden. Auf dieser Grundlage entwickeln die Studierenden ein eigenständiges fotografisches oder hybrides Porträtprojekt. Individuelle Fragestellungen werden formuliert, Bildmaterial gesammelt, analysiert und in experimentelle Formen überführt. Die Arbeiten können als Serien, Collagen, Mixed-Media-Objekte oder installative Formate realisiert werden. Bewusst bewegen sie sich zwischen Prozess und Resultat, Materialität und digitaler Oberfläche, Sichtbarkeit und Bruch. Der Kurs ist als forschender Arbeitszusammenhang angelegt, in dem die Fotografie als kritisches Instrument verstanden wird. Ziel ist es, das Porträt als historisch, technologisch und politisch geprägte Form sichtbar zu machen und zugleich Räume für neue visuelle, theoretische und ästhetische Perspektiven zu öffnen. Exkursion: In Kooperation mit dem Fachkurs "Hunting for Strangers" findet am 02. und 03. Mai eine zweitägige Exkursion nach Berlin statt. Die Reise bietet den Studierenden die Möglichkeit, aktuelle künstlerische und kuratorische Positionen kennenzulernen, die sich mit Porträt, Collage, Archiv und digitaler Bildzirkulation auseinandersetzen. Vor Ort werden zeitgenössische Strategien wie Copy & Paste, Fragmentierung und Re-Inszenierung untersucht und in Beziehung zur eigenen Arbeit gesetzt. Die Exkursion erweitert den Seminarraum um einen öffentlichen Kontext: Der Diskurs um Bild, Identität und Konstruktion wird durch direkte Begegnungen mit Ausstellungen, Künstler*innen und kuratorischen Konzepten vertieft. Theorie trifft Praxis und das Porträt wird als offenes, veränderbares Bild verstanden. |
| Leistungsnachweis |
Aktive Teilnahme und Workshop-Gestaltung – 25 % Regelmäßige Anwesenheit, engagierte Beteiligung an Diskussionen sowie aktive Mitwirkung in den praktischen Übungen. Darüber hinaus die Konzeption und Durchführung eines thematisch fokussierten Workshops (im Zweierteam), inklusive kurzer theoretischer Einführung, Referenzrecherche und praktischer Aufgabenstellung für den Kurs. Prozessdokumentation – 25 % Kontinuierliche Sammlung, Analyse und Reflexion von Bildmaterial (Skizzen, Collagen, digitale Experimente, Archivmaterial). Dokumentation des eigenen Arbeitsprozesses in geeigneter Form (z. B. PDF, Miro-Board, Skizzenbuch oder digitales Logbuch). Abschlussprojekt + Präsentation – 50 % Entwicklung eines eigenständigen fotografischen oder hybriden Porträtprojekts, das sich mit Fragment, Collage, Re-Kontextualisierung oder digitaler Bildpraxis auseinandersetzt. Möglich sind Serien, Einzelbilder, Mixed-Media-Arbeiten, digitale Collagen oder installative Formate. Abschlusspräsentation im Rahmen der Ausstellung / Summary |