Gegenstand der Lehrveranstaltung ist eine Überbrückung zwischen entwurflichen Ansätzen und realitätsnahen, pragmatischen Handwerksprozessen. Die Lehrveranstaltung untersucht Holz als konstruktives und gestalterisches Material in zwei praxisorientierten Abschnitten. Der erste Teil (April bis Anfang Juni) wird in der Fakultätswerkstatt Architektur realisiert. Der zweite Teil (zweite Augusthälfte) im Ausbildungszentrum für Handwerk in Gotha. Dabei werden unterschiedliche Maßstäbe und Bearbeitungstechniken erlernt – von kleinen Holzgegenständen bis zu großformatigen Zimmerer-Konstruktionen. Handwerkliches Arbeiten steht hierbei im Vordergrund. Es ist Startpunkt und zentrales Werkzeug für den entwurflichen und den ausführenden Prozess. Interdisziplinarität | Die Veranstaltung versucht Studierende aus den Bereichen der Planung und Gestaltung in Kontakt mit Handwerkern und ausführenden Berufen zu bringen. Dies ziehlt darauf ab den sozialen Austausch zwischen den beiden Berufsbereichen zu fördern und der Entfremdung und dem Konflikt, welcher in der Berufswelt oft stattfindet, vorzugreifen. Die Veranstaltung ist des Weiteren offen für mehrere Fakultäten der Bauhaus-Universität Weimar, da die Thematik der Übersetzung von konzeptionellen Ideen in materielle Konstruktionen sowohl Architekt*innen und Ingenieur*innen als auch Produktgestalter*innen und Künstler*innen betrifft. Teilnehmer*Innen werden dazu ermutigt diese überfachlichen Problematiken und Herausforderungen untereinander auszutauschen und zu reflektieren. Lernziele & Kompetenzerwerb | Die Studierenden erwerben Grundkompetenzen im Umgang mit Werkzeugen und Maschinen sowie ein Bewusstsein für konstruktive Logiken und Übersetzungen zwischen geplantem Entwurf und realem Bauteil. Die Studierenden werden darüber hinaus in Kontakt gebracht mit Arbeitsorganisation und -abläufen aus dem Bereich des Handwerks. Ebenfalls stärken sie ihre Fähigkeit, Entwurfsentscheidungen in Bezug auf ihre praktische Herstellbarkeit zu reflektieren. Durch wöchentliche Reflektionsarbeit werden individuelle Probleme beim eigenständigen handwerklichen Arbeiten analysiert in Hinblick auf generelle Herausforderungen und Grenzen beim Umsetzen von Ideen. Da sich der Kurs primär mit dem Baustoff Holz befasst, erwerben die Studierenden ebenfalls ein Grundverständnis für die Eigenschaften, Potenziale und Grenzen des Materials Holz. Didaktisches Konzept | Der erste Teil der Veranstaltung kombiniert theoretische Impulse zu Beginn und zum Ende jedes Treffens, mit intensiven Werkstattphasen. Die Studierenden starten den Lernprozess des Semesters mit einer angeleiteten Übung, welche die Grundlagen der folgenden Arbeiten bilden soll. Darauf folgen eigenständige Materialexperimente und handwerksbasierte Entwurfsprozesse. Es werden weder Skizzen noch Pläne angefertigt, es wird direkt im Maßstab 1:1 an Prototypen konstruiert und entworfen. Erst danach werden Fertigungspläne der Prototypen (in Form von Brettrissen im Maßstab 1:1) gezeichnet. Der zweite Teil findet am Ausbildungszentrum für Baugewerke in Gotha (ABZ Gotha) statt und richtet sich didaktisch nach dem Konzept der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisungen (ÜLUs) im Handwerk. Der Schwerpunkt hier sind Zimmerer-Konstruktionen und -verbindungen. |