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SoSe 2026

Hunting for Strangers - Über Sichtbarkeit, Verantwortung und die fragile Konstruktion des Portraits - Einzelansicht

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Grunddaten
Veranstaltungsart Fachmodul SWS 6
Veranstaltungsnummer Max. Teilnehmer/-innen 12
Semester SoSe 2026 Zugeordnetes Modul
Erwartete Teilnehmer/-innen 12
Rhythmus
Hyperlink  
Sprache deutsch und englisch (zweisprachig)
Belegungsfrist Fakultät Kunst und Gestaltung    03.04.2026 - 07.04.2026   
Termine Gruppe: [unbenannt]
  Tag Zeit Rhythmus Dauer Raum Raum-
plan
Lehrperson Bemerkung fällt aus am Max. Teilnehmer/-innen
Einzeltermine anzeigen
Mo. 13:00 bis 16:00 wöch. von 13.04.2026  Steubenstraße 8, Haus A - Projektraum 403       12
Gruppe [unbenannt]:
Zur Zeit keine Belegung möglich
 


Zugeordnete Person
Zugeordnete Person Zuständigkeit
Albrecht, Julia , M.A. verantwortlich
Studiengänge
Abschluss Studiengang Semester Leistungspunkte
LA Gymnas./1.Staatspruef. Lehramt an Gymnasien 1. Fach Kunsterziehung, PV29 - 6
LA Gymnas./1.Staatspruef. Lehramt an Gymnasien Doppelfach Kunst, PV29 - 6
B. A. Visuelle Kommunikation (B.A.), PV13 - 6
B. A. Visuelle Kommunikation (B.A.), PV16 - 6
M. A. Visuelle Kommunikation (M.A.), PV19, 4-Semester - 6
M. A. Visuelle Kommunikation (M.A.), PV19, 2-Semester - 6
B. A. Visuelle Kommunikation (B.A.), PV19 - 6
LA Gymnas./1.Staatspruef. Lehramt an Gymnasien Kunst im Zweifachstudium, PV2022 - 6
LA Gymnas./1.Staatspruef. Lehramt an Gymnasien Kunst im Doppelfachstudium, PV2022 - 6
B. A. Visuelle Kommunikation (B.A.), PV2024 - 6
LA Gymnas./1.Staatspruef. Lehramt an Gymnasien Kunst im Doppelfachstudium, PV2025 - 6
LA Gymnas./1.Staatspruef. Lehramt an Gymnasien Kunst im Zweifachstudium, PV2025 - 6
Zuordnung zu Einrichtungen
Fakultät Kunst und Gestaltung
Inhalt
Beschreibung

Das Portrait ist mehr als ein Bild eines Gesichts. Es ist ein Machtverhältnis. Eine Annäherung. Eine Grenzüberschreitung.

 

Wer ein Portrait macht, behauptet Nähe. Behauptet Wissen. Behauptet, jemanden gesehen zu haben. Doch wie Susan Sontag schreibt, ist das Fotografieren von Menschen kein unschuldiger Akt. Es kann als eine Form der Aneignung verstanden werden, als symbolischer Besitz. Die Kamera überbrückt Distanzen und schafft zugleich eine neue. Sie macht sichtbar und entzieht zugleich Kontrolle.

 

Dieser Kurs begreift das Portrait als ein Feld der Verhandlung: zwischen Fotograf*in und Gegenüber, zwischen Technik und Ethik, zwischen Präsenz und Projektion.

 

Schritt für Schritt setzen wir uns mit dem Portrait auseinander. Wir beginnen bewusst mit der analogen Fotografie. Film zwingt zur Entscheidung. Jede Aufnahme ist endgültig, jeder Auslöser trägt Gewicht. Der Prozess ist langsam, körperlich, chemisch. Bilder erscheinen nicht sofort, sondern entwickeln sich im Dunkelraum. Diese Verzögerung schafft Raum für Reflexion: Was habe ich gesehen? Was habe ich eingefroren? Was habe ich vielleicht übersehen?

 

Von dort aus bewegen wir uns durch verschiedene Stufen der fotografischen Praxis (Lichtführung, Komposition, Distanz, Serienbildung), bis wir gegen Ende des Semesters in den digitalen Raum wechseln. Nicht um Geschwindigkeit zu feiern, sondern um Unterschiede erfahrbar zu machen. Was verändert sich, wenn Bilder sofort kontrollierbar, löschbar, wiederholbar sind? Wie verschiebt sich Macht, wenn das Bild jederzeit optimiert werden kann?

 

Ein zentraler Bestandteil des Kurses heißt „Hunting for Strangers“. Hier geht es nicht nur um das fertige Bild, sondern um den Moment davor: um die Angst, fremde Menschen anzusprechen. Um Ablehnung. Um Unsicherheit. Um das Zögern vor der Begegnung. Wenn Fotografie eine Form der Jagd ist, wie Sontag nahelegt, was bedeutet das für unsere Praxis? Ist das Portrait ein Raubzug oder kann es ein Dialog sein? Wie lässt sich fotografieren, ohne zu verletzen? Oder ist jede fotografische Geste immer auch ein Eingriff? In praktischen Übungen werden wir fremde Personen kontaktieren, Gespräche führen, um Erlaubnis zu bitten und Vertrauen aufzubauen. Der Prozess der Annäherung wird Teil der Arbeit. Das Portrait entsteht nicht nur vor der Kamera, sondern im Zwischenraum der Blicke.

 

Der Kurs versteht Fotografie nicht als bloßes Handwerk, sondern als ethische Praxis. Er verbindet technische Schulung mit kritischer Reflexion. Zwischen analogem Material und digitaler Oberfläche entsteht ein Raum, in dem das Portrait nicht als Selbstverständlichkeit erscheint, sondern als fragile Konstruktion.

 

Wie prägt die Kamera unser Verständnis von Identität? Wer wird sichtbar und unter welchen Bedingungen? Kann das Portrait ein Ort der Begegnung sein, statt der Aneignung? Dieses Zusammenspiel aus kritischer Auseinandersetzung und praktischer Arbeit ermöglicht es, das Portrait nicht als feststehende Kategorie zu begreifen, sondern als dynamisches Feld. Ein Feld, das herausfordert, verunsichert und transformiert werden kann. Fotografie beginnt mit einem Blick. Doch was wir daraus machen, ist eine Entscheidung.

 

Exkursion:

In Zusammenarbeit mit dem Fotografie-Projektmodul „CTRL + ME: Portrait Collage in the Age of Copy & Paste“ findet am 02. und 03. Mai eine zweitägige Exkursion nach Berlin statt.

 

Diese Reise bietet den Studierenden die Gelegenheit, aktuelle künstlerische und kuratorische Ansätze vor Ort kennenzulernen und die Inhalte des Projekts in einen praxisnahen Kontext zu vertiefen. So wird der im Seminar entwickelte Diskurs um Blick, Macht und Material um eine zeitgenössische Perspektive erweitert.            

Literatur

Susan Sontag – On Photography

Ariella Aïsha Azoulay – The Civil Contract of Photography John Berger – Ways of Seeing Tina M. Campt – Listening to Images bell hooks – The Oppositional Gaze

Roland Barthes – A Lover's Discourse: Fragments             

Bemerkung

Bitte beachten Sie die entsprechende Studienordnung.

Voraussetzungen

Die Teilnahme erfolgt über eine Bewerbung mit Portfolio und Motivationsschreiben an: julia.albrecht@uni-weimar.de

Bei positiver Zusage für den Kurs finden für die analoge Fotografie zwei Pflicht-Einführungen statt , sofern diese noch nicht absolviert wurden.

 

 

Termine zur Einführung in die analoge Arbeitsweise:

 

 

Die Teilnahme an diesen Terminen (13.04. und 27.04.) ist obligatorisch und Voraussetzung für die Durchführung der anschließenden analogen Aufgaben im Kurs.

Die Zusagen werden spätestens am 07.04.2026 verschickt. Mit der Zusage wird eine Liste versendet, in die eine Eintragung für den ersten Termin am 13.04.2026 erfolgt.

 

 

Studioeinführung:

Studierende, die noch keine Studioeinführung absolviert haben, können in der Woche vom 20.04.2026 an einer viertägigen Studioeinführung teilnehmen.

Dies ist Voraussetzung für die eigenständige Arbeit im Studio.

Leistungsnachweis

Aktive Teilnahme – 25 %

Regelmäßige Anwesenheit, engagierte Mitarbeit in Diskussionen sowie kontinuierliche Beteiligung an praktischen Studioübungen.

 

Wöchentliche Aufgaben – 25 %

Kurze visuelle oder schriftliche Arbeiten, die sich auf Seminarlektüren, Diskussionen oder experimentelle Übungen beziehen und die kontinuierliche Auseinandersetzung mit dem Thema dokumentieren.

 

Abschlussprojekt + Präsentation – 50 %

Ein eigenständig entwickeltes fotografisches Projekt, das im Laufe des Semesters konzipiert, umgesetzt und reflektiert wird. Den Abschluss bildet eine Präsentation mit gemeinsamer Bildkritik.


Strukturbaum
Die Veranstaltung wurde 4 mal im Vorlesungsverzeichnis SoSe 2026 gefunden:
Fachmodule  - - - 1
Fachmodule  - - - 2
Fachmodule  - - - 3

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