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Überblick Was sind Instrumente eigentlich – und was können sie sein? Was geschieht, wenn wir beginnen, alles konsequent in Wechselbeziehung zu denken und „ökologisches Denken” in die klangliche Praxis zu überführen?
Beide Kurse mit dem Titel ”Instrumentalities for Acoustic Ecologies” untersuchen die vermittelnden Werkzeuge – wahrnehmungsbezogene, technologische und konzeptuelle –, durch die wir klanglichen Umgebungen begegnen, sie analysieren und in sie eingreifen.
Das Wissenschaftsmodul entwickelt kritische und theoretische Rahmenkonzepte. Das Projektmodul entfaltet einen spielerischen Prozess konkreter Untersuchung und kreativer Praxis. Beide Module arbeiten in wechselseitiger Befruchtung: Praktische Begegnungen mit Instrumenten, Orten und Materialien erzeugen Fragen, die die theoretische Auseinandersetzung neu ausrichten. Zugleich eröffnen kritische Rahmenkonzepte neue Möglichkeiten kreativer Intervention. Gemeinsam arbeiten wir auf das gemeinsame Summary-Sound-Ausstellungsprogramm hin.
Die Kurse sind so konzipiert, dass sie sich gegenseitig ergänzen. Studierende, können allerdings auch nur das Wissenschaftsmodul besuchen. Instrumente jenseits der Musik Der Begriff „Instrument” reicht weit über seine herkömmliche musikalische Bedeutung hinaus. Ein Instrument ist jede Vorrichtung, die Wahrnehmung und Handlung erweitert, fokussiert oder transformiert. Das Ohr selbst ist ein Instrument: ein biologischer Wandler mit spezifischen Empfindlichkeiten, Schwellenwerten und blinden Flecken, die prägen, was wir von der akustischen Welt erkennen können. Wissenschaftliche Instrumente – Schallpegelmesser, Spektrographen, Mikrofonarrays – erweitern und begrenzen dieses Wissen zusätzlich, indem sie bestimmte Phänomene wahrnehmebar machen und andere verdecken. Selbst Notationssysteme, Field-Recording Praktiken und analytische Rahmenkonzepte fungieren als Instrumente: Sie sind keine neutralen Fenster zum Sound/ Klang , sondern aktive Mitwirkende an der Konstruktion dessen, was „Klang” für uns wird. In Anlehnung an Denker wie Don Ihde und Jonathan Sterne verstehen wir Instrumente als relational – sie legen keine bereits bestehende Welt einfach offen, sondern bringen die Phänomene, die sie messen, mit hervor. Akustische Ökologie als Disziplin und Praxis Die akustische Ökologie entstand in den 1970er-Jahren aus R. Murray Schafers World Soundscape Project als interdisziplinäres Feld, das sich mit der Beziehung zwischen Lebewesen und ihren klanglichen Umgebungen befasst. Sie umfasst analytische Arbeit (Soundscape-Studien, Bioakustik, urbane Klangforschung), künstlerische Praxis (Soundscape-Komposition, Phonographie, Klanginstallation) sowie aktivistische Dimensionen (Lärmpschutzpolitik, Sounddesign, Bewahrung bedrohter Klanglandschaften). Die zeitgenössische akustische Ökologie hat sich über Schafers mitunter nostalgischen Rahmen hinaus weiterentwickelt und bezieht postkoloniale Hörweisen, mehr-als-menschliche Akustiken sowie politische Fragen mit ein, u.a. wessen Ohren und wessen Instrumente die Qualität von Umweltklängen bestimmen.
Beide Kurse fragen: Welche Instrumente brauchen wir – und welche Instrumente müssen wir kritisch hinterfragen –, um ökologisch zuzuhören? Dieses seminarbasierte Modul entwickelt kritische und historische Rahmenkonzepte zum Verständnis der Beziehung zwischen Hören, Instrumentierung und Umwelt. Ausgehend von den Sound Studies, Technikphänomenologie und kritischer Ökologie untersuchen wir, wie Instrumente – iim weitesten Sinne verstanden– zwischen hörenden Subjekten und Klangwelten vermitteln. Lernergebnisse Entwickeln eines kritischen Vokabulars, um die Beziehungen zwischen hörenden Subjekten, vermittelnden Technologien und klanglichen Umgebungen zu diskutieren. Einordnen lernen von Wahrnehmungs- und kreativen Praktiken in größere Zusammenhänge der Geschichte der Akustik, des Umweltdenkens und der Sound Studies. Zu den Schlüsselkompetenzen gehören: Analyse, wie Instrumente (vom Ohr bis zum Algorithmus) prägen, was gehört, gemessen und gewusst werden kann Verständnis der intellektuellen Genealogie der akustischen Ökologie – von Schafer über Truax und Westerkamp bis hin zu zeitgenössischen Kritiken Auseinandersetzung mit Konzepten wie Soundscape, akustische Gemeinschaft, Schizophonie und der Positionalität des Hörens Kritische Bewertung der politischen Dimensionen von Schallmessnormen, Lärmschutzverordnungen und Konzepten „klanglicher Qualität“ Lektüre über Disziplingrenzen hinweg: Akustik, Medientheorie, Ökologie, Anthropologie der Sinne
Prüfungsleistung Verfassen von schriftlichen Arbeiten, die eine theoretische Auseinandersetzung mit den Themen des Kurses zeigen. Diese Texte werden zu einer Publikation beitragen, die das gemeinsame Summaery-Sound-Ausstellungsprogramm begleitet und die im Projektmodul präsentierten praktischen Arbeiten in einen kritischen und historischen Kontext stellt. Mögliche Formate sind Essays oder kürzere Katalogtexte. |