| Beschreibung |
Ausstellungen über Architektur sind selbst Architektur. Sie gehören zu einer erweiterten architektonischen Praxis, die eine kritische Reflexion und Projektion der Disziplin ermöglicht und die architektonisches Wissen nicht nur präsentiert, sondern produziert, ordnet, rahmt und gestaltet. Vor diesem Hintergrund verstehen wir das kommende XV. Internationale Bauhaus-Kolloquium unter dem Titel „Politics of Research” als Herausforderung, eine Ausstellung zur fünfzigjährigen Geschichte dieser Reihe zu entwickeln und umzusetzen. Das Seminar findet in Verbindung mit Politics of Research: Histories of 15 International Bauhaus Colloquiums statt. Seit dem 1. Wissenschaftlichen Kolloquium (1976) und dem 2. Bauhaus-Kolloquium (1979) sind 12 weitere Internationale Bauhaus-Kolloquien hinzugekommen, die sich Fragen der Theorie und Geschichte der Architektur mit besonderer Berücksichtigung der (Wirkungs-)Geschichte des Bauhauses gewidmet haben. Das nächste Kolloquium (XV. International Bauhaus Colloquium) findet vom 4. bis 7. November 2026 an der Bauhaus-Universität Weimar zum Thema „Politics of Research” statt und ist für alle an der Universität vertretenen Disziplinen geöffnet. Das Bauhaus-Kolloquium folgte einer konzeptionellen Kontinuität, die in die Vergangenheit blickt, um die Gegenwart zu konstituieren. Ausgehend von den umfangreichen Materialien, die in verschiedenen Archiven überliefert sind, befragen wir das ambivalente Verhältnis zwischen der Konstruktion einer Vergangenheit, der gelebten Gegenwart und imaginierten Zukünften. Die Künstlerin Hito Steyerl, die beim Kolloquium im November sprechen wird, beschreibt das Archiv als eine „realist machine, a body of power and knowledge”, die sich durch die eigene Wiederholung zeitlich erhält (Steyerl, 2008). Jacques Derrida betont, dass sich das Archiv zugleich verräumlicht. Etymologisch verweist der Begriff auf das Domizil, das Haus (Derrida, 1996). Dieses Bedürfnis nach einem Ort teilt das Archiv mit der Ausstellung. Beide besitzen eine „thing-power” (Bennett, 2010), die unseren sprachzentrierten Zugang zu Forschung und ihrer Präsentation unterlaufen kann. Vor diesem Hintergrund verstehen wir die Ausstellung als räumliche, materielle und performative Vermittlerin von Forschung. Als kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte des Kolloquiums wird das Seminar die verkörperte Erfahrung von Archiv und Ausstellung nutzen, um die Politik des Ausstellens von Forschung – als Forschung selbst – zu untersuchen. Der Kurs steht Studierenden aller Fakultäten offen. Es ist nicht erforderlich, Deutsch zu sprechen oder über perfekte Englischkenntnisse zu verfügen. Das Kolloquium findet vom 4.–7. November 2026 statt. Dennoch werden wir versuchen, auch Studierende einzubeziehen, die sich nur im Sommersemester in Weimar aufhalten. |
| Literatur |
Bennett, Jane. Vibrant Matter: A Political Ecology of Things. Durham, NC and London: Duke University Press, 2010. Derrida, Jacques. Archive Fever: A Freudian Impression. Translated by Eric Prenowitz. Chicago: University of Chicago Press, 1996 (original French edition 1995). Hennessy, Kate, and Trudi Lynn Smith. 2018. ”Fugitives: Anarchival Materiality in Archives.” Public 29 (57): 128–144. https://doi.org/10.1386/public.29.57.128_1. Steyerl, Hito. 2008. ”Politics of the Archive: Translations in Film.” Transversal: Borders, Nations, Translations (March 2008). Published by the European Institute for Progressive Cultural Policies (EIPCP). https://transversal.at/transversal/0608/steyerl/en |
| Zielgruppe |
Die Veranstaltung steht als »Geöffneten Lehrveranstaltungen« allen Masterstudierenden sowie Promovierenden der Fakultäten Architektur und Urbanistik, Bau- und Umweltingenieurwissenschaften, Kunst und Gestaltung sowie Medien im Rahmen des »Interdisziplinären Lehrangebots« offen. Bitte halten Sie vor der Anmeldung Rücksprache mit Ihrer Fachstudienberatung und klären Sie, ob diese Veranstaltung in ihrem Curriculum anerkannt werden kann. Bei Bedarf schließen Sie vor Veranstaltungsbeginn ein Learning Agreement (DE/EN) ab. |