| Beschreibung |
Demokratische Meinungsbildung und Verhandlungen finden häufig an Tischen statt. Das Projektmodul DEMOCRATIC TABLEWARE 2.0 widmet sich diesem Ort der Aushandlung und zielt auf die Gestaltung von Objekten und Werkzeugen ab, die Verhandlungen unterstützen und verbessern sollen. Die Praxis zeigt, dass Verhandlungen häufig von Missverständnissen, Ungleichgewichten oder Konflikten geprägt sind. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Zeitdruck, Stress, Provokationen, unterschiedliche Interessen und Ziele, persönliche Vorurteile sowie fachliche Differenzen. Diese Faktoren erschweren eine gemeinsame Konsensbildung. Zugleich lebt Demokratie sowohl von kontroverser Auseinandersetzung als auch von der Aushandlung von Kompromissen. Ein Grund dafür ist, dass Sprache als zentrales Medium demokratischer Aushandlung nicht immer ausreicht, um alle Beteiligten gleichermaßen in den Prozess der Meinungsbildung einzubeziehen. Manche Menschen sprechen ungern vor Publikum oder profitieren besonders von zusätzlichen visuellen oder haptischen Reizen und Informationen. Die im Projekt gestalteten Objekte sollen dazu beitragen, kommunikative Hürden sichtbar zu machen und produktiv zu bearbeiten. Neben der Sprache ist auch der Körper ein aktiver Bestandteil der Verhandlungssituation. Körperhaltungen und Bewegungen – etwa Unruhe, Anspannung, Entspannung oder Erschöpfung – beeinflussen Kommunikationsprozesse. Im Sinne des Embodiment-Ansatzes spielt der menschliche Körper eine zentrale Rolle in unserer kognitiven Wahrnehmung. Diese Perspektive soll im Projekt aufgegriffen werden, indem Objekte gestaltet werden, die multimodale Verhandlungserfahrungen verkörperlichen und mehrere Sinne in Kommunikations- und Entscheidungsprozesse einbeziehen. DEMOCRATIC TABLEWARE 2.0 reagiert damit auf eine bislang wenig beachtete Gestaltungslücke: Für zahlreiche Bereiche unseres Alltags gibt es eine Vielzahl von Dingen und Werkzeugen, für zentrale menschliche Tätigkeiten – Gespräche führen, gemeinsam Entscheidungen treffen und Konflikte klären – existieren hingegen nur wenige Hilfsmittel. Die Projektbetreuung erfolgt in fachlicher Kooperation mit dem Psychologen Dr. Klaus Harnack, dessen Arbeiten an der Schnittstelle von Psychologie, Gestaltung, Organisation und Öffentlichkeit angesiedelt sind. Ausgewählte Projektergebnisse werden im Verlauf des Projekts auf der World Design Capital in Frankfurt präsentiert und gemeinsam mit Besucher*innen der Veranstaltung erprobt. |