Gastwissenschaftlerin: Dr. Charlett Wenig (Vertretung der Professur Transformatives Design) Was passiert, wenn Materialien nicht nur verarbeitet werden, sondern wachsen, reagieren und sich selbst verändern? In diesem Kurs beschäftigen wir uns mit einer der spannendsten Entwicklungen in Materialforschung und Architektur: der Nutzung von Mikroorganismen zur Aushärtung von textilen Strukturen. Bestimmte Bakterien sind in der Lage, Materialien zu mineralisieren und verwandeln somit weiche, flexible textile Formen in stabile, feste Strukturen. Während diese Technologie bereits in der Architektur für experimentelle Baustrukturen untersucht wird, steckt ihr Potenzial im Design noch weitgehend in den Anfängen. Im Kurs erforschen wir gemeinsam, wie sich weiche textile Systeme in feste Strukturen transformieren lassen sowohl durch naturwissenschaftliche Methoden als auch durch experimentelle Designprozesse. Wir arbeiten mit verschiedenen textilen Materialien, entwickeln eigene Prozessanaloga (z. B. Aushärtung durch Salz, Stärke oder Kristallwachstum) und untersuchen, wie Gestaltung und biologische Prozesse zusammenwirken können. Ein zentraler Bestandteil des Kurses ist die Zusammenarbeit mit aktuellen Forschungsprojekten. Wir werden wissenschaftliche Paper lesen, Forschungsansätze für die Designpraxis übersetzen, Einblicke in reale Laborprozesse erhalten und unsere Ergenisse mit internatioanlen Forschungsgruppen diskutieren. Im Rahmen von Laborbesuchen am Max-Planck-Institut für Kolliod- und Grenzflächenforschung in Potsdam können eigene textile Proben mineralisiert werden. Der Kurs bewegt sich bewusst zwischen wissenschaftlicher Forschung, Materialexperiment und spekulativem Design. Ziel ist es, neue Gestaltungsmöglichkeiten zu entdecken, die entstehen, wenn Design mit lebenden Systemen arbeitet. Am Ende des Semesters entwickelt jede/r ein eigenständiges Designkonzept, das die im Kurs erforschten Prozesse aufgreift etwa in Form eines Produkts, eines Objekts oder einer raumgreifenden Installation. Neben physischen Modellen spielt auch die Entwicklung von Szenarien zukünftiger Materialien eine wichtige Rolle. Gemeinsam überlegen wir, welche Anwendungen und Gestaltungsmöglichkeiten entstehen könnten, wenn Materialien nicht nur verarbeitet, sondern auch wachsen, reagieren und sich verändern. Der Kurs richtet sich an Studierende, die Lust haben auf: - experimentelles Arbeiten mit Materialien
- Einblicke in aktuelle Materialforschung
- interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Design und Wissenschaft
- spekulatives Denken über zukünftige Material- und Produktionsweisen
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