| Beschreibung |
Kirchen gehören zu den prägendsten Bauaufgaben der europäischen Bau- und Kulturgeschichte. Sowohl in (architektur)historischer und städtebaulicher Sicht, als auch gesellschaftlich kommt ihnen eine besondere Bedeutung als Identifikationsorte von Dörfern und Städten zu. Angesichts der seit Jahrzehnten rückläufigen Mitgliederzahlen stehen viele Gemeinden vor der Herausforderung, tragfähige Zukunftsperspektiven für ihre Kirchengebäude zu entwickeln. Die zunehmende Zahl von Entwidmungen und Umnutzungen macht deutlich, dass es sich dabei nicht allein um ein kirchliches, sondern um ein gesamtgesellschaftliches Thema handelt. Aus denkmalpflegerischer Sicht ist die Suche nach geeigneten Nachnutzungen besonders anspruchsvoll, denn Sakralbauten sind häufig als Gesamtkunstwerke geschützt. Bei Umnutzungen/Verkäufen entsteht seitens der Gemeinden jedoch oft der Wunsch, liturgisch bedeutsame Ausstattungsstücke zu entfernen, wodurch Fragen nach Erhalt, Veränderung und Neubewertung der Denkmalsubstanz entstehen. All diesen komplexen Fragen des Umgangs mit ungenutzten Sakralbauten werden wir uns in unserem Semesterprojekt widmen, und zwar am Beispiel der Stadt Erfurt, die bereits im Mittelalter über eine ungewöhnlich hohe Zahl an Kirchen und Klöster verfügte. Zahlreiche Erfurter Kirchen wurden bereits einer neuen Nutzung zugeführt, etliche weitere stehen vakant und erscheinen manchen Gemeinden nur noch als teurer Ballast, dessen sie sich entledigen wollen – zur Not sogar per ebay-Kleinanzeigen-Verkauf. Im Rahmen des Projekts werden wir versuchen, die Erfurter Kirchenlandschaft in ihrem historischen und aktuellen Kontext zu analysieren. Dabei geht es insbesondere auch um Verknüpfungen mit dem jeweiligen Stadtraum: Wie positionieren sich die Kirchen im Quartier, sowohl städtebaulich als auch gesellschaftlich? Welche Rolle spielen die Sakralbauten für die städtische und konfessionelle Akteur:innen, welche Potenziale, Herausforderungen und gesellschaftlichen Aushandlungsprozesse sind damit verbunden? Die Grundlage für unsere Auseinandersetzung mit den Kirchen wird in Zusammenarbeit mit dem Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie durch Archive, Dokumentationen vor Ort und Gespräche mit lokalen Akteur:innen gebildet. Ziel ist es, aus der genaueren Analyse ausgewählter Kirchenbauten Zukunftsperspektiven für ihren Erhalt und ihre Nutzung zu entwickeln, sei es in Form von Handlungsstrategien oder als konkrete, auch architektonisch formulierte Konzepte. |