Nordhausen ist eine Stadt im Norden Thüringens und zugleich ein regionales Zentrum in einem peripherisierten Raum. Wie viele Städte und Gemeinden außerhalb der großen Wachstumszentren steht Nordhausen vor besonderen Herausforderungen: Bevölkerungsrückgang, begrenzte kommunale Ressourcen und der Abbau bzw. die Konzentration von Infrastrukturen prägen die Entwicklung der Region. Gleichzeitig ist Nordhausen ein Ort, an dem Menschen nach Flucht und Vertreibung ankommen. Die Aufnahme und Integration von flucht*migrierten Personen stellt Kommunen und Zivilgesellschaft dabei vor besondere Aufgaben – gerade dort, wo Ressourcen, Infrastrukturen und Handlungsspielräume begrenzt sind. An Nordhausen möchten wir beispielhaft erkunden, wie sich die Ankunft von Migrant*innen und insbesondere Geflüchteten in peripherisierten Räumen gestaltet und gestalten lässt.
Im Planungsprojekt beschäftigen wir uns mit Ankunftsinfrastrukturen in peripherisierten Räumen und nehmen dabei sowohl kommunale als auch zivilgesellschaftliche Perspektiven auf Flucht und Ankunft in den Blick. Mit »Ankunftsinfrastrukturen« sind dabei alle informellen und formellen Prozesse, Akteur*innen und ihre Praktiken sowie öffentliche Einrichtungen, die das Ankommen regeln, gemeint (Steigemann 2019: 181). Sie tragen dazu bei, ob und wie neu Ankommende aktive, teilhabende Mitglieder der Gesellschaft werden können und wirken sich auf ihre »Zugangschancen« aus (Hans et al. 2019: 512). Uns interessiert, wie sich Peripherisierung auf die Möglichkeiten von Kommunen auswirkt, Geflüchtete aufzunehmen und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Welche Infrastrukturen stehen zur Verfügung? Welche spezifischen Herausforderungen ergeben sich für Kommunen und zivilgesellschaftliche Akteur*innen? Und wie werden Fragen der Aufnahme und des Zusammenlebens vor Ort gesellschaftlich ausgehandelt?
Ausgehend von theoretischen Konzepten zu Peripherisierung, Flucht und Ankunft untersuchen wir diese Fragen am Beispiel von Nordhausen. Dabei verbinden wir theoretische Auseinandersetzungen mit eigenen empirischen Erhebungen vor Ort. Im Rahmen einer zweitägigen Exkursion wollen wir unterschiedliche Perspektiven kennenlernen und mit kommunalen und zivilgesellschaftlichen Akteur*innen ins Gespräch kommen. Auf Grundlage unserer Analyse blicken wir schließlich über die bestehenden Herausforderungen hinaus: Welche Handlungsspielräume gibt es? Welche Ansätze können dazu beitragen, Ankunft und gesellschaftliche Teilhabe auch in peripherisierten Räumen zu ermöglichen? Welche Chancen könnten sich ergeben, wenn wir aus einer postmigrantischen Perspektive und der Annahme: „alle, die hier sind, sind von hier” radikal umdenken?
Hans, Nils / Hanhörster, Heike / Polívka, Jan / Beißwenger, Sabine (2019): The role of arrival spaces in integrating immigrants. A critical literature review. In: Raumforschung und Raumordnung | Spatial Research and Planning 77/5, 511–524.
Steigemann, Anna Marie (2019): First Arrivals: The Socio-Material Development of Arrival Infrastructures in Thuringia. In: Bruno Meeus / Karel Arnaut / Bas van Heur (Hg.), Arrival infrastructures. Migration and urban social mobilities. Cham, Switzerland: Palgrave Macmillan, 179-205.
Weitere Informationen:
Exkursion nach Nordhausen vom 07.-08.12.2026, Übernachtungskosten betragen etwa (!) 45€ inkl. Halbpension.