Athen – das ist für die meisten von uns zuallererst die Akropolis mit dem berühmten Parthenon, dem rätselhaft komponierten Erechteion und dem kühn auf den Felssporn gesetzten Nike-Tempel – und allein deshalb ist die Stadt für Baugeschichts-Interessierte ein rechter Sehnsuchtsort, durch mannigfache Ablichtung bereits fest in unserem kollektiven Bildgedächtnis verankert. Aber auch jenseits ihres reichen Erbes der Antike hat Athen einiges zu bieten, das sich anzuschauen lohnt: byzantinische osmanische Sakralbauten, und vor allem die ambitionierten Bauten des 19. Jahrhunderts, die im Zuge des klassizistischen Hauptstadtausbaus unter König Otto entstanden – ein architektonischer Re-Import aus dem Norden ins Mutterland der Säulen und Gebälke. Ebenso spannend sind die Wohntypologien der Polykatoikia („viele Wohnungen” = Mehrfamlienhäuser), die 1930-70 aus Le Corbusiers Dom-Ino-Schema für den lokalen Kontext adaptiert wurden und das Gesicht der Stadt bis heute prägen. Darüber hinaus werden wir uns auch mit aktuellen denkmalpflegerischen und stadtgesellschaftlichen Diskursen beschäftigen. Hierzu gehören das Akropolismuseum, mit dem Bernhard Tschumi Athens Forderung nach Restitution ihrer Kunstschätze architektonischen Ausdruck verlieh, genauso wie die Wohnanlage Prosfygika, deren geplanter Abriss für die Olympia-Planungen 2004 durch Besetzung wie auch durch Unterschutzstellung verhindert werden konnte. Bis heute setzt sich die selbstorganisierte Wohngemeinschaft gegen ihre Verdrängung und Räumung ein. Nicht Eulen nach Athen zu tragen, ist unser Ziel, sondern sie vor Ort aufzusuchen, um Athen als Stadt und historisches Erbe zu begreifen. Zur Vorbereitung für die Exkursion im März 2027 dient ein Blockseminar, in dem wir uns eingehend mit der Stadtgeschichte und den Exkursionszielen befassen werden. Wir bitten alle Interessierte zum ersten Termin am 16.10.2026, 9:15 Uhr zu kommen. Sollte das Interesse die Exkursionsplätze übersteigen, werden die Teilnehmer*innen ausgelost. |