| Beschreibung |
Die Wohnungsfrage wird in Deutschland meist als Problem wachsender Großstädte diskutiert: steigende Mieten, auslaufende Sozialbindungen, Verdrängung und stagnierender Neubau prägen die Debatte. Weniger sichtbar ist, dass auch Klein- und Mittelstädte vor drängenden Wohnungsfragen stehen – jedoch unter anderen Bedingungen. Dort geht es nicht allein um fehlende preisgünstige Mietwohnungen, sondern um Qualität, Bezahlbarkeit, Zugänglichkeit und Lage des Bestands: um Leerstand bei gleichzeitigen Versorgungsengpässen, energetisch sanierungsbedürftige und nicht barrierearme Wohnungen, soziale Infrastruktur, Mobilität und kommunale Handlungsfähigkeit. Diese Fragen unterscheiden sich je nach Lage sowie ökonomischer, sozialer und demografischer Struktur. Klinik, Kaserne, Tourismus, einzelne Unternehmen, regional bedeutsame Schulen oder die Nähe zu einer Großstadt können den lokalen Wohnraumbedarf entscheidend prägen. In wohnungspolitischen Debatten und Förderprogrammen werden solche kleinstädtischen Kontexte bislang jedoch selten systematisch berücksichtigt. Das Master-Forschungsprojekt der Professur Stadtplanung im Wintersemester 2026/27 untersucht diese „Wohnungsfragen unter dem Radar” am Beispiel ausgewählter Kleinstädte in Thüringen. Im Zentrum stehen zwei Perspektiven: Erstens fragt das Projekt nach konkreten Wohnbedarfen, Defiziten und lokalen Akteur*innen der Wohnungsversorgung. Dabei werden Wechselwirkungen zwischen Wohnen, Stadtentwicklung, Daseinsvorsorge, Mobilität, Arbeitsmarkt, sozialer Infrastruktur und lokalen Entwicklungsvorstellungen betrachtet. Zweitens untersucht das Projekt, wie wohnungspolitische Programme und Entscheidungen von Bund und Land vor Ort ankommen und wirken: Welche Spielräume entstehen, wo zeigen sich Hemmnisse, Übersetzungsprobleme oder neue Abhängigkeiten? Das Projekt verbindet Methodentraining, ein Expert*innen-Symposium und eigenständige Feldforschung in Kleingruppen. Ziel ist eine vergleichende Analyse der Wohnungsversorgung in Thüringer Kleinstädten und die Entwicklung von Ansätzen für eine räumlich, sozial und intergenerational gerechte Wohnungspolitik. |