Demokratische Erhabenheit Zum architektonischen Ausdruck öffentlicher Bauten Aus gutem Grund ist der Versuch, mit öffentlichen Bauten unsere öffentlichen Institutionen auch architektonisch darstellen zu wollen, in Deutschland kontaminiert. Bis heute wirkt der unheilvolle Anspruch eines "tausendjährigen Reiches” nach, das noch in den künftigen Ruinen seiner Bauten ewige Größe erkannt wissen wollte. Die in der Nachkriegszeit naheliegende Hinwendung zu einer vermeintlich demokratischen Neomoderne gipfelte dann Anfang der 90er-Jahre in einer ebenso platten wie irrtümlichen (und dennoch erfolgreichen) Gleichsetzung von Glasfassade mit demokratischer Transparenz. Unübersehbar ist heute, dass diese Leitbilder in der Breite der Bauten für demokratische Einrichtungen einer gewissen Beliebigkeit, allzu oft sogar einer ostentativen ästhetischen Anspruchslosigkeit den Weg geebnet haben, die sich auch rückblickend nur schwerlich als vornehme Bescheidenheit beschönigen läßt. So muß im Verfall des Anspruchs an die gebaute Darstellung heute auch ein Abbild der Krise der Institutionen selbst gesehen werden. Für uns Anlass genug, gerade in dieser Zeit einen Versuch zu wagen, den gebauten Ausdruck demokratischer Institutionen in einer Weise neu zu denken, die deren Wert für unsere Gesellschaft angemessen zu vermitteln vermag. Selbstverständliche Präsenz Angesichts einer durch funktionalistische Begründungen nur unzureichend kaschierten architektonischen Anspruchslosigkeit vieler öffentlicher Bauten muss deren ebenso unambitionierte “Sanierung” heute geradezu als mutwillige Verunstaltung wahrgenommen werden. Auch der gewiss gutgemeinte Verweis auf den Erhalt der im Bestand gebundenen “Grauen Energie”, kann die Weigerung (oder die Unfähigkeit) der Handelnden, sich ernsthaft mit dem Ausdruck und der Wirkung des Gebauten auseinanderzusetzen, nicht verdecken. Derart, “gewöhnlichen” Aufgaben wollen wir uns im Sommer am Beispiel tatsächlich anstehender Sanierungsprojekte in Berlin zuwenden. Im Sinne unseres Semesterthemas werden dabei weniger die technischen und funktionalen Aspekte, sondern vielmehr der heute angemessene Ausdruck gemeinschaftlicher, demokratischer Institutionen Gegenstand unserer Arbeiten sein. |